Darf Politik auch unterhalten?

Rezension: Christian Moser [Marco Dohle, Gehard Vowe (Hg.): Politische Unterhaltung – unterhaltende Politik. Forschung zu Medieninhalten, Medienrezeption und Medienwirkungen, ISBN  978 – 3- 86963 064 0, Herbert von Halem Verlag]

Vom US-Komiker Woody Allen gibt es das Bonmot, wonach Hollywood und Politik nach den gleichen Regeln funktionieren, nur dass die Schauspieler attraktiver sind. Damit hat auf die Unterhaltungsebene jedweder Politik hingewiesen. Beim jedem Bierfassanstich, bei jedem Ball und bei jeder repräsentativen Aufgabe spielen Politiker immer auch eine Rolle und erfüllen eine Unterhaltungsfunktion. Die Filmindustrie wiederum hat die Politik  und  ihre immanente Spannungen, ihr Ringen um Macht sowie ihr Rituale als aufregenden  Stoff für Filme (Wag the Dog, Speechless) und Serien wie Borgen und House of Cards entdeckt.  Politik-Talkshows  im Fernsehen bereichern ihre Sendungen um unterhaltende Elemente, um mehr Zuseher zu erreichen.  Insofern befruchten und ergänzen sich die beiden Gebiete. Die Herausgeber Dohle und Vowe haben im Sammelband trennendes und Verbindendes zwischen Politik und Showgeschäft untersucht. Die Forscher haben unterhaltende Elemente in der Politikvermittlung sowie politische Element in Unterhaltungselementen sowie die Wirkungen  auf Wähler und Publikum untersucht. Die Beiträge zeigen auf, wie umfangreich und vielfältig die Forschung zu Politik und Unterhaltung mittlerweile ist. Aus theoretischer Sicht schließen sich Information und Unterhaltung auf jeden Fall nicht aus, wenn trockene Materien wie das Budget anschaulich und mit Fallbeispielen dargestellt werden, besteht die Chance, größere Bevölkerungsteile für die Materie zu interessieren. Wenn durch Fernsehserien wie „House of Card“ junge Leute sich für ein Engagement in Parteien begeistern könnten, ist das durchaus begrüßenswert, auch wenn das politische Tagesgeschäft mit den langwierigen Entscheidungsfindungsprozessen weniger spannend ist als in den Fernsehserien. Doch da unterscheidet sich das Feld der Politik nicht von Arzt- und Polizeiserien.

Spannungsfeld zwischen Information und Unterhaltung

Die einzelnen Beiträge verhandeln die Themen „Talkshowisierung“, „Personalisierung und Visualisierung“, „Politischer Humor“, „Politik in Computerspielen“, Kognitive Wirkungen einer emotionalisierten Berichterstattung“ sowie „Folgen der Wahrnehmung der Attraktivität von Politikern bei Wählern.“ Auch der Frage, wie Unterhaltung die poolitischen Bildung bereichern und unterstützen kann, wird nachgegangen.  Der gut zusammen gestellte Band bietet allen Praktikern in Politik einen guten Einstieg und wohl auch zahlreiche Erkenntnisse, wie abstrakte Sachverhalte im Zeitalter der Reizüberflutung effizient und ohne Streuverluste dem Bürger und Wähler vermittelt werden können.