Das neue Russland

Rezension: Michael J. P. Ulrich [Michail Gorbatschow: Michail Gorbatschow. Das neue Russland, Quadriga Verlag 2015, ISBN: 978-3-86995-082-2, € 25,00]

 

Nach vielen Jahren der Annäherung begann sich zwischen Russland und Europa das Verhältnis deutlich abzukühlen. Nicht zuletzt wegen dem Konflikt in der Ostukraine, in welchem sich die pro-russischen Rebellen und die ukrainische Armee heftige Kämpfe lieferten. Der russische Staatspräsident versucht aber auch sein eigenes Profil im In- und Ausland zu schärfen. Im Syrien-Konflikt schickte er Truppen um Diktator Assad zu stützen und somit den Westen zu düpieren. Im Inland behindert er Oppositionelle an der politischen Partizipation und versucht, die ohnehin defekte Demokratie in Russland weiter auszuhöhlen. Was treibt Putin an? Warum nimmt er das Wagnis in Kauf in den Kalten Krieg zurückzufallen? Eine der Lösungen liegt sicherlich im Scheitern der Sowjetunion und ihren nachfolgenden Regierungen. Ebenso in den Entwicklungen im postkommunistischen Russland. Ein profunder Kenner der Situation sowie des Wesens von Russland und der ehemaligen UdSSR ist ihr letzter Präsident, Michail Sergejewitsch Gorbatschow.

In seinem neuen Buch „Michail Gorbatschow-Das neue Russland“ beschreibt der Friedensnobelpreisträger die historischen Entwicklungen nach dem Zerfall der UdSSR und die aktuelle Situation in Russland. Warum  sind heute wieder Glasnost und Perestroika, 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion in Gefahr? Welche Hindernisse kommen auf Russland zu? Gorbatschow stand viele Jahre lang an der Spitze des Riesenreiches sowie im Zentrum der Macht und versteht es wie kein Zweiter. Im Buch beschreibt er die schwierigen Jahre nach dem Ende der UdSSR sowie die wirtschaftlichen Probleme, welche die „Schocktherapie“ Russland versetzt hat. Der Friedensnobelpreisträger dokumentiert, wie ihn Boris Jelzin aus Kreml und Dienstwohnung warf, ebenso wie es zu seinem Ende als erster Generalsekretär der KPdSU kam. Viele sehen ihn als Verräter, welcher die Sowjetunion zu Grabe getragen hat. Jedoch kämpfte keiner mehr um ihr Fortbestehen. Auch die Änderung hin zu einer super-präsidentiellen Verfassung, aber auch den Tschetschenienkrieg 1994 beleuchtet der Friedensnobelpreisträger kritisch. Weiters beschreibt er die Präsidentschaftswahlen 1996, bei der er erfolglos kandidierte und das auch nach vielen Jahren von Glasnost und Perestroika keine finanzpolitische und wirtschaftliche Stabilität in Sicht waren. Nach dem Präsidentenwechsel von Jelzin zu Putin am Beginn des neuen Jahrtausends wandelte sich die Meinung von Gorbatschow über die russische Politik. Pflegte er mit Boris Jelzin kein sehr gutes Verhältnis, versuchte er mit Putin einen Neubeginn. Gorbatschow lobt bei Putin den Kampf gegen die Armut und den wirtschaftlichen Aufschwung. Aber er sorgt sich auch über seine ausgeprägten autoritären Züge und wie er die Macht der Medien und des Parlaments kontinuierlich zurückdrängte. Der letzte Präsident der Sowjetunion beschreibt ebenso die Präsidentschaftswahlen in Russland und den Wechsel an der Spitze, hin zu Dimitri Medwedew und die friedlichen Proteste für freie Wahlen. Im letzten Teil seines Buches wendet er sich der Welt und ihrer beunruhigenden Zukunft zu. So beschreibt er seine Vision der atomwaffenfeien Welt sowie die NATO Ost-Erweiterung und das Problem für Russland. Anschließend beschreibt er noch sein Verhältnis zu Deutschland, China, Japan und dem Nahen Osten.

Gorbatschow  bringt in seinem neuen Buch zahllose Aufsätze, Reden und Interviews, welche seine Sicht der Dinge unterstreichen. Er bemängelt die Innenpolitik von Präsident Putin, wiewohl er seine Außenpolitik präferiert und den Westen mahnt, nicht mit dem Feuer zu spielen. Das Buch bietet einen speziellen Einblick in die Entwicklungen nach dem Ende der Sowjetunion und das Leben von Gorbatschow. Der Friedensnobelpreisträger beschreibt sehr ausführlich und detailliert die Lage unter Putin und welche zukünftigen Herausforderungen Russland, seine Demokratie und auch die Welt zu erwarten haben.