Die Zukunft von Wahlkämpfen

Was bleibt. Was geht.

Der erfolgreiche politische Kampagnenleiter Lutz Meyer präsentierte auf der Politischen Akademie exklusive Einblicke in aktuelle Entwicklungen von Wahlkämpfen. Meyer hat 1998 den Wahlkampf Gerhard Schröders unter dem Innovationsmotto konzipiert und 2013 mit einem personalisierten Wahlkampf Angela Merkels triumphale Wiederwahl ermöglicht.

Fünf entscheidende Bestandteile

Für Meyer benötigen erfolgreiche Wahlkämpfe gegenwärtig fünf entscheidende Punkte. Erstens müssen Person, Partei und Programm der jeweiligen Partei beim Wähler als Einheit wahrgenommen werden. Wenn einer dieser Punkte nicht kohärent ist, spüren die Wähler das. Zweitens sind Ängste eine entscheidende Antriebskraft für den Wähler, so Meyer. Nur wer die Ängste und Sorgen anspricht hat Chancen, gewählt zu werden. Drittens müssen sich Wahlkämpfe an der Frage orientieren, wie die Öffentlichkeit „in den Griff zu bekommen sei.“ Neben der klassischen Medienarbeit benötigen Wahlkampfteams auch eigne Social Media Stäbe, da hier der redaktionelle Filter wegfalle und sich jene Bürger artikulieren, die sonst nicht sichtbar werden.

Viertens müsse eine wahlwerbende Partei den Eindruck erwecken, für Ruhe und Ordnung zu stehen. Hier seien bürgerliche Parteien im Vorteil, da sie nicht zu permanenter Aufgeregtheit und kurzfristigen Medienaktionismen neigen. Als fünften Bestandteil eines erfolgreichen Wahlkampfes nannte Meyer ein eigenes Mobilisierungsthema. Jeder Wahlkampf brauche ein Thema, mit dem die eigenen Parteigänger mobilisiert und die Mitbewerber demobilisiert und vom Wählen abgehalten werden.  Wahlentscheidend sei, die Unentschlossen zu gewinnen. Neben dem eigenen Thema müssen zeitgleich auch die Mobilisierungsthemen der Mitbewerber neutralisiert werden.

Nicht länger als sechs Wochen

Thema und Kandidat einer Kampagne müssen für Meyer schon 16 bis 20 Monate vor der Wahl stehen, der Wahlkampf selber solle nicht länger als sechs Wochen dauern. Skeptisch zeigte sich Meyer gegenüber Hausbesuchen und Infoständen, während er Wahlplakate aufgrund ihrer Präsenz als notwendig erachtete. Meyer warnte abschließend, Rezepte aus den USA für Österreich zu übernehmen, da das politische System Österreichs nach anderen Gesetzmäßigkeiten funktioniere.

Fotos zur Veranstaltung findest du hier