FFI Symposium: Die Medien haben die Wahl nicht entschieden

Beim 7. Symposium des Friedrich Funder Institutes diskutierten Experten aktuelle Trends im Nationalratswahlkampf 2017. Eine Expertenrunde aus journalistischer Sicht, eine zweite Expertenrunde aus Sicht der Markt und Meinungsforschung

Rekordvolumen für Wahlwerbung

Bei der Nationalratswahl 2017 schalteten die Parteien in den Medien Wahlwerbung um einen Werbewert von knapp 15 Millionen Euro. Dabei entfielen 47,7 Prozent auf Print,  38, 9 Prozent auf Außenwerbung und 9,1 Prozent auf TV-Werbung. In dieser Statistik sind die Zahlen für Online-Werbung und die Erlöse von Google und Facebook nicht gelistet. Interessant sind die aktuellen Trends: Großformatplakate boomten mit plus elf Prozent, während die Zahl der Dreieckständer zurückging

Medien entscheiden die Wahl nicht, sondern der Wähler

„Die öffentliche Hand pumpt ins heimische Mediensystem jährlich 1 Milliarde Euro, dennoch ist der Markt unter Druck durch die Internetgiganten,“ klagte die Journalistin Eva Weissenberger. Die Rolle der Medien habe sich im Wahlkampf gewandelt. Früher hätten Journalisten entschieden, was in der Zeitung steht, während sie heute nur mehr entscheiden, wie (und wie ausführlich) Inhalte in die Zeitung kommen. Das Agenda-Setting habe heute weithin das Internet übernommen.

Der Chefredakteur der Presse, Rainer Nowak, wehrte sich gegen den Vorwurf der sinkenden Qualität im Journalismus: „Lesen Sie Zeitungen vor vierzig Jahren und dann von heute. Auch damals gab es viele Agenturmeldungen und die Zeitungen waren empirisch betrachtet nicht besser.“

Für Andreas Koller von den Salzburger Nachrichten hat der Wahlkampf zu lange gedauert und die Art der Berichterstattung hat sich geändert. Vor 20 Jahren dominierten nach der Wahl Meinungsforscher und Pressekonferenzen, während heute entscheidend sei, welche Geschichten man wie weiterentwickeln könne. Die Funktion der Wahlberichterstattung bleibt aber unverändert. „Journalisten berichten über das was ist, nicht was sein sollte. Diese Trennung ist mir wichtig“, sagte Koller

Die Rolle der Meinungsforschung

Paul Eiselsberg vom Institut IMAS erklärte die Funktion der Markt- und Meinungsforschung mit einer Metapher, die Elisabeth Noelle Neumann verwendet hatte, als „rotes Telefon der Bevölkerung für die Politik.“ Die Aufgabe der kommerziellen Markt- und Meinungsforschung sei es nach wissenschaftlichen genau definierten Standards die öffentliche Meinung zu vermessen.

Unterhuber verglich die Rolle der Meinungsforscher mit der eines Beobachters: „Wir Meinungsforscher sind nicht zuständig für Dirty Campaigning. Transparenz und nachvollziehbare Methodik gehört zu unserem Kerngeschäft“ ergänzte Paul Unterhuber von der GFK.  Gemeinsame Qualitätsstandards für die Branche zu entwickeln, sei das beste Argument gegen die häufig gehörte Kritik an der umstrittenen Branche. Diese Transparenz biete das Projekt Neuwahl. Seit Mai wurden von elf Instituten insgesamt 48 Umfragen veröffentlicht. Jeden dritten Tag gab es also eine Wahlumfrage. Seriöse Meinungsforschung berichtet wertneutral über Stimmungen in der Bevölkerung. Wenn mit Meinungsumfragen politische Themen gesetzt und Politik gemacht werde, sei das Missbrauch und nicht im Interesse der Markt. und Meinungsforscher.