Haiders Vermächtnis: Schulden, Ratlosigkeit und Apathie

Rezension: Robert Hofer [Stefan Petzner. Haiders Schatten – An der Seite von Europas erfolgreichstem Rechtspopulisten. Edition a, Wien 2015, ISBN: 978-3990011379. Preis: 16,90 €]

Sieben Jahre nach Jörg Haiders tödlichem Verkehrsunfall scheint für seinen ehemaligen Wahlkampfstrategen Stefan Petzner die Zeit gekommen zu sein, seine persönliche Sicht der Dinge darzulegen. Es wäre leicht, den solariumgebräunten und oft in fragwürdiger Kleidung auftretenden Petzner, zu verspotten, wie es jüngst Haiders Leibwächter und Chaffeur, Günther K. im Magazin Vice tat, als er Petzners strategische Fertigkeiten mit denen „eines stummen Affen aus dem Tierpark Schönbrunn“ gleichsetzte. Auch Leichenfledderei und Geschäftemacherei mit einem Toten wurden Petzner vorgeworfen, doch handelt es sich bei seinem Buch um ein interessantes Psychogramm des diabolischen Populisten Haiders, der die politische Kultur Österreichs nachhaltig vergiftete. Haider ist als Politiker gescheitert: Er hat ein quasi insolventes Bundesland hinterlassen und am Milliardengrab Hypo Alpe Adria werden noch mehrere Generationen Österreicher zahlen müssen. Haiders geistige Wendigkeit war, wenn man Petzner Glauben schenken darf, vor allem seiner weltanschaulichen Beliebigkeit geschuldet. Politik abseits einer Weltanschauung zu betreiben und nur als Stimmenmaximierungswerkzeug zu betrachten, schadet langfristig einer Demokratie. Diese Lehre lässt sich aus Petzners Buch, das sogar Platz 1 auf der heimischen Bestsellerliste erklomm, was für ein politisches Sachbuch eine Sensation ist, ziehen. Ansonsten erfährt der Leser im Buch vor allem nette und unterhaltsame Anekdoten aus dem Leben eines ängstlichen, selbstverliebten, aber im Privaten auch Konsens suchenden Politikers mit einem fabelhaften Personengedächtnis, bei dem verwundert, warum ihn Menschen als charismatisch empfunden haben. Großspurig kündigte Petzner in seinem Buch auch Rezepte an, wie man seiner Meinung nach auch Rechtspopulisten entlarven und bekämpfen könne. Dieses Versprechen bleibt leider ungelöst. Petzner vermag weder den europaweiten Siegeszug rechtspopulistischer Bewegungen richtig einzuordnen, noch erkennt er das affektbefeuerte Potenzial zivilgesellschaftlicher Initiativen wie Pegida. Petzner scheint mit seinem sehr persönlich gehaltenen Buch die Dämonen seiner Vergangenheit wegschreiben zu wollen, scheitert aber auf einer analytische Ebene kläglich daran, die Erfolgsformel links- wie rechtspopulistischer Parteien zu angemessen zu beschreiben, geschweige denn gehaltvoll zu analysieren. Dennoch lohnt sich die Lektüre des Buches, weil sie zeigt, dass der Provinzpolitiker Haider vor allem von seinen politischen Mitbewerbern und den Medien größer gemacht wurde, als ihm aufgrund seiner Persönlichkeit eigentlich zugestanden wäre.