Kämpfer für die Seele der Menschheit

Rezension: Robert Stadtler [ Till Kinzel. Nicolaz Gomes Davila. Parteigänger verlorener Sachen.  Lepanto Verlag. ISBN 978-3-942605-10-6, €  12,90  ]

Die einzige deutschsprachige Monografie des kolumbianischen Denkers Nicolás Gómez Dávila ist kürzlich in einer stark erweiterten Neuauflage im Lepanto Verlag,  einem auf theologische und philosophische Grundsatzfragen spezialisiertem Haus, erschienen. Autor Till Kinzel gelingt es in seiner vorzüglich recherchierten Schriften ganzheitlich in alle Aspekte dieses im deutschsprachigen Raum weitgehend noch immer unbekannten Denkers einzuführen.  Der Kolumbianer Dávila, der sich selbst als „Denker der Gegenaufklärung“ betrachtete und praktizierender Katholik war, überrascht in seinen Büchern immer wieder mit brillanten und klarsichtigen Gedanken, die er meist in Form von Glossen, einzelnen Sätzen und Merksätzen zu Papier brachte. Diese kurze Form ist nicht nur leserfreundlich und die ideale Abendlektüre, sondern auch ein notwendiges Korrektiv zur gehetzten und moralisierenden Atmosphäre vieler zeitgenössischer Debatten in Medien und Politik. Entgegen dem permanenten Geschnatter meinungsverliebter Propagandisten utilitaristischer Gemeinplätze und neoliberaler Selbstoptimierer plädiert Dávila für Gelassenheit im Umgang mit drängenden Problemen wie Migration, Wirtschaftskrise und Klimawandel  und eine Abkehr vom modernistischen Kosten Nutzen Kalkül von Politik und Wirtschaft. Denn, so die Klage des Glaubensfreude und Bekennertum ausstrahlenden Autors, dieses sich an Rationalität und dem Rhythmus von Maschinen und Computer orientierende Denken verschlimmere die drängenden Probleme eher als dass es  nachhaltige Lösungen anbiete.  Trotz dieses fortschrittskritischen Denkens unterscheiden sich Dávila Sentenzen vom marktüblichen postwachstumskritischen Wunsch- und Warnschriften. Vielmehr findet der Leser hier ewige Wahrheiten über Größe und Elend, Schwächen und Stärken der menschlichen Natur.