Vater des modernen Salzburg

Rezension:  Thomas Berger [Claus Reitan: Franz Schausberger: Politiker – Historiker – Europäer- Biografische Annäherung an einen Vielseitigen. Böhlau Verlag. Wien Käöln Weimar 2015, ISBN 978 3 205 79653 4, 35 €]

Die Biografie über den Vollblutpolitiker Franz Schausberger, geschrieben vom renommierten Journalisten Claus Reitan, ist ein gutes Beispiel dafür, dass der redliche Politiker tief in einer Weltanschauung und in einem Menschenbild verankert sein sollte und dieser Typus nur selten durch Auftritte im Boulevard oder bei Seitenblicken-Events in Erscheinung tritt. In der Person Schausberger findet das christlich-soziale Menschenbild sein „zoon politikon“.  Neben seiner politischen Laufbahn widmete er sein Leben der Wissenschaft und seiner umfangreichen Privatbibliothek. Schausbergers Amtsverständnis stand für einen offenen, dynamischen und durchaus auch machtbewussten Landeshauptmann-Stil, für den das Wohle der Bürger und des Landes immer Ausgangspunkt des eigenen politischen Handels ist. Schausberger überzeugte nicht nur Politiker, sondern auch als (habilitierter) Historiker mit seinem Spezialgebiet „Agieren und Agitieren der Nationalsozialisten in den Bundesländern, Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg in der Zeit nach 1932“. Mit seiner forschungsleitenden Fragestellung „Wie konnte es zur Machtergreifung der Nationalsozialisten kommen“, hat er Neuland in der Forschung beschritten und zur notwendigen Politisierung des Faches Zeitgeschichte beigetragen. Schausberger veröffentlichte bisher 12 Bücher und rund 150 weitere wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte und Politik Österreichs und der Europäischen Union. Mit diesem breiten Lebenswerk gehört er unzweifelhaft zu den faszinierendsten Landeshauptmännern der Zweiten Republik. Grund genug, dieses Leben in einer Biographie genauer kennen zu lernen.  

Vater des modernen Salzburg

Schausberger war von seinem Naturell her weniger Landesvater als Modernisierer und Manager. Er  hat Salzburg zwischen 1996 und 2004 modernisiert und  fit für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts und der globalisierten Wirtschaft gemacht, wie der Journalist Manfred Perterer, Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, zusammenfasst: „ Die Schausberger Zeit war eine der aktivsten Perioden im Land. Es ist vieles verwirklicht worden, insbesondere an Infrastruktur.“ Als Landeshauptmann baute er unter anderem das Fußballstadion Salzburg-Kleßheim, das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg, das sowie das  Salzburg Museum. Bei all diesen Erfolgen gibt es natürlich auch Schattenseiten und Rückschläge. So wurden Franz Schausberger und seine Familie völlig unschuldig und unvorbereitet  im Wahlkampf 2004 Zielscheibe einer Schmutzkübelkampagne. Aufgrund dieser substanzlosen, aber geschickt inszenierten  Rufmordkampagne verlor Schausberger die Wahl und zog sich anschließend aus der Politik zurück, um sich ganz der Wissenschaft zu widmen. Auch wenn alle Vorwürfe haltlos waren, machen die damaligen Vorkommnisse den Leser sprachlos und hinterlassen diesen ratlos: Wie konnte die Laufbahn eines unbescholtenen Staatsbürgers und Politikers aufgrund von anonymen Anschuldigungen und Postwurfsendungen schlagartig beendet werden? Das Fallbeispiel zeigt, wie brutal das Politikgeschäft sein kann. Claus Reitan deckt die damaligen Vorkommnisse lückenlos auf und zeichnet so ein beängstigendes Bild der Mediendemokratie. Nicht der anonyme Vernaderer, sondern der tadellose Politiker musste mit den Konsequenzen des Rufmordes leben. 11 Jahre später ist von diesen Schmutzkübelkampagne freilich nichts mehr übrig geblieben und die politische Lebensleistung Schausbergers wieder voll rehabilitiert. Wer sich für die  Zeitgeschichte Österreichs und den Menschen Schausberger interessiert, kommt an diesem exzellent recherchierten Buch nicht vorbei.