Wer kontrolliert Nichtregierungsorganisationen?

Rezension: Rober Stadtler [Rupert Graf Strachwitz: Transparente Zivilgesellschaft? Accountability und Compliance in Non-Profit-Organisationen, ISBN 978-3-7344-0150-3]

Als vor einigen Jahren ein Greenpeace-Mitarbeiter 3,8 Millionen Euro Spendengelder bei Aktiendeals verzockte, war die Empörung der Öffentlichkeit groß und viele Mitglieder und Spender fühlten sich ausgenutzt. Seit damals ist die öffentliche Meinung gekippt: waren bislang gemeinnützige Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace Lieblinge der veröffentlichten Meinung, wird seitdem immer stärker nach ihrer Legitimation gefragt. Im Unterschied zu politischen Parteien werden diese Vereine nicht demokratisch legitimiert, ihre Buchführung unterliegt weniger strengen Regeln als jene von kommerziellen Unternehmen und ihre Ziele sind nicht klar ersichtlich. Das Problem kommt für Autor Strachwitz daher, dass es für gemeinnützige Organisationen keine einheitlichen Veröffentlichungspflichten gibt, diese aber in den Bereichen Reporting (Rechenschafstlegung), Disclosure (Publizitä), Compliance (Regelgerechtigkeit) und Acountability (Verantwortlichkeit) nötig wären. Alles in allem fordert Strachwitz also mehr Transparenz von den Akteuren der Zivilgesellschaft, die zwar gerne vorgeben, die „Welt zu retten“ aber wenig Einblicke in ihre Geschäftsgebarung geben. Wobei Strachwitz moniert, dass unter dem Modebegriff „Transparenz“ jeder Akteur etwas anderes versteht und es dafür bislang aus sozialwissenschaftlicher Sicht keine ausreichende, trennscharfe Konkretisierung gibt.

Rechtliche Graubereiche abschaffen

Strachwitz´ Grundlagenarbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil diskutiert er die historisch-kulturellen Hintergrund der Transparenzdebatte, um darauf aufbauend Stakeholder der Zivilgesellschaft als Zielgruppen von Transparenz zu behandeln. Im dritten Teil stellt er Mindeststandards an Rechenschaftslegung, Verantwortlichkeit und Regelgerechtigkeit vor. Denn angesichts der heutigen Rechtslage müssen sich viele NGOs tatsächlich Kritik gefallen lassen.

Der Umweltschützer 'Patrick Moore,  Gründungsmitglied und ehemaliger Präsident von Greenpeace International, hat seiner ehemaligen Organisation immer wieder undemokratische Strukturen vorgeworfen. Andere Kritiker monieren, dass der einzige Sinn vieler NGOs darin bestehe, Menschen aus der Mittelschicht das Gefühl zu geben, etwas Gutes zu tun, also eine Art säkularen Ablasshandel zu betreiben.  Ob diese Kritik zutreffend ist, muss jeder Bürger für sich selbst entscheiden. Um aber Missbrauch im großen Stil zu unterbinden empfiehlt der Strachwitz abschließend mehrere Handlungsempfehlungen wie zum Beispiel eine gesetzliche Verpflichtung zur Veröffentlichung der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnungen sowie die Entwicklung eines spezifischen Rahmens für das Rechnungswerk in Anlehnung an das Handelsrecht.  Das Erzbistum Köln hat Strachwitz Empfehlungen  bereits berücksichtig und 2014 erstmals sein Immobilienvermögen bewertet und das Ergebnis veröffentlicht. Nur wenn alle Fakten am Tisch liegen, kann die Herrschaft des Verdachts besiegt werden und der Vernunft zu ihrem Recht verholfen werden.